Entrepreneure sind die neuen, erfolgreichen Gründer – ein Interview | Entrepreneurship.de – the Art andScience of Entrepreneurship

Prof. Günter Faltin wurde Ende Mai von der Berliner Zeitung interviewt. Im Gespräch mit Kirsten Niemann betont Prof. Faltin, dass heutzutage jeder Entrepreneur werden und so erfolgreich gründen kann.

Im Folgenden nun ein Auszug:

Herr Faltin, Sie sagen, dass man auch ohne Subventionen und großes Kapital erfolgreich ein Unternehmen gründen kann. Was hat Ihre Teekampagne damals gekostet?

Die Teekampagne startete 1985 mit geringen Mitteln. Wenn ich mich recht erinnere, waren es etwa 5000 DM. Im internationalen Handel hat man eine Frist von mindestens 60 Tagen, die Importrechnung zu bezahlen. In dieser Zeit können Sie schon einen Teil der Ware verkaufen, bevor Sie die große Rechnung begleichen müssen.


Wäre so etwas heute noch möglich?

Heute sind die Bedingungen noch günstiger. Handel findet mehr und mehr über das Internet statt. Einen Online-Shop kann man fast ohne Kosten einrichten.


Warum nutzen Sie den Begriff Entrepreneurship statt des deutschen Begriffes Unternehmertum?

„Unternehmertum“ stellt Kapital und Management in den Vordergrund. Will man heute ein Unternehmen gründen, geht es aber vor allem um Innovation, um die Frage also, mit welcher Idee oder welchem Konzept ich mich gegen die bereits etablierte Konkurrenz durchsetzen kann. International hat sich der Begriff Entrepreneurship durchgesetzt. Er legt die Betonung auf den innovativen Aspekt Ihrer Gründung. Der Aspekt des Managements wird mit dem Begriff „Business Administration“ wiedergegeben. Der englische Sprachraum unterscheidet also präziser.


Welche Unternehmer sind heute gefragt?

Im post-industriellen Zeitalter werden Ideen und Konzepte immer wichtiger. Kopf schlägt Kapital. Vor allem sind Konzepte gefragt und erfolgreich, die im Einklang mit den Werten der Gesellschaft stehen. Man kann sogar so weit gehen zu sagen: Die wirtschaftliche und kulturelle Weiterentwicklung unserer Gesellschaft ist angewiesen auf unternehmerische Initiativen, die nicht ständig nur neue Bedürfnisse herauskitzeln, sondern auf vorhandene Probleme mit ökonomischer, sozialer aber auch künstlerischer Phantasie antworten.


Sie sagen, Asien sei uns weit voraus. Warum?

Ich habe viele Jahre in Asien gelehrt. Wenn ich die Universitäten hier und dort vergleiche fällt auf: Asiatische Studierende sind wissbegieriger. Eltern wie Studenten investieren mehr Zeit und Geld in Bildung. Die asiatischen Schwellenländer haben viel früher die Bedeutung von Entrepreneurship erkannt und Einrichtungen dafür an den Universitäten geschaffen. Das Bild des Entrepreneurs ist ausgesprochen positiv besetzt, während wir teilweise noch Klischees aus den frühen Jahren des Kapitalismus nachhängen. Wir dürfen das Bild des Unternehmers nicht länger mit dem Verhalten angestellter Manager von Großunternehmen gleichsetzen.


Sie plädieren für neue Konzepte – welche Qualifikationen benötigen die neuen Gründer?

Sie müssen weltoffen sein. Nicht in Konventionen denken. Nicht Fachidioten sein, sondern über die Grenzen Ihres Fachs und Ihrer Ausbildung hinausdenken. Heute hat jeder das Potenzial zum Gründer. Wenn es Prof. Yunus in einem Land wie Bangladesh gelingt, unter unvorstellbaren schwierigen Bedingungen, islamische Frauen, die Analphabetinnen sind und keinen Zugang zu Bildung hatten, zu erfolgreichen Entrepreneurs zu machen – warum gelingt es uns nicht in Deutschland, unter den doch sehr viel besseren Bedingungen, viel mehr Gründungen hervorzubringen? Noch nie waren die Voraussetzungen so günstig, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Wenn man es richtig anpackt, ist es eine Lust, Entrepreneur zu sein. Starting a business is like starting a love affair.


Was raten Sie jungen Gründern, damit sie auch in diesen Krisenzeiten erfolgreich sein können?

Peter Drucker, der große amerikanische Visionär eines verantwortlichen Wirtschaftens prägte den Satz: Jedes große Unternehmen begann mit einer kleinen Idee. Ja, mit einem Einfall, einer kleinen Idee fängt es an. Einer Anfangsidee sozusagen. Die lässt einen so leicht nicht mehr los, wenn man Potenzial in ihr sieht. Man recherchiert, arbeitet an der Idee, brütet darüber. Sie wächst, gewinnt an Tiefe und an Umfang. Die Konturen eines Konzepts entstehen. Man verwirft, entwirft neu, erlebt Durchbrüche, Rückschläge, vermeintliche und echte Barrieren. Schiebt Teile des Konzepts hin und her, wie in einem Puzzle, bis sie – irgendwann – zur Passung gebracht werden und ein dauerhaft tragfähiges Konzept entstanden ist. Das ist es, was ich Gründern rate.

Das Interview ist in der Berliner Zeitung am 26. Mai 2010 in der Rubrik “Beruf und Karriere” erschienen.

Posted via web from Manuel Schmöllerl

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